Überkonfessionelles Christentum

Als offizielle Eröffnungsveranstaltung des Hamburger Priesterseminars fand Ende September die Tagung „Überkonfessionelles Christentum“ statt. Zahlreiche Vortragende aus dem anthroposophischen Umfeld waren eingeladen, aber auch der Anthroposophie kritisch-interessiert Gegenüberstehende wie Helmut Zander und Rüdiger Sachau.

Neben den inhaltlichen Fragen war für viele Teilnehmende auch von Interesse, ob und wie an dem 2001 neu eröffneten Priesterseminar „ein anderer Wind weht“. Darüber sprach Falk Zientz mit Andreas Laudert, Seminarist und Mitorganisator der Tagung.

Was ist das Motiv der Tagung?
Als Christengemeinschaft diskursfähig zu werden, sowie die Hoffnung, mit den verschiedensten Menschen und Standpunkten in ein lebendiges Gespräch zu kommen. Das ist ja eine Notwendigkeit heutzutage, sich anderen Perspektiven auszusetzen und Verbindungen zu erkennen. Im Dialog, im Suchen nach Gemeinsamkeit Gemeinsamkeit verwirklichen, das war das Motiv – und das Risiko.

Inwiefern das Risiko?
Es kann leicht die Ambition entstehen, unbedingt „akzeptiert“ werden zu wollen, also vor allem auf den äußeren Erfolg und die öffentliche Resonanz zu schauen und dabei das Eigene, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren.
In der Formulierung „Überkonfessionelles Christentum“ steckt der Anspruch, über Menschheitsfragen und -impulse zu sprechen. Diese Impulse kann die Christengemeinschaft verkörpern, aber auch andere können das. Nach unserer Auffassung steht alles Dogmatische im Widerspruch zu dem, was heute in der Menschheit lebt. Zugleich sehnt man sich aber nach markanten und unverwechselbaren Positionen, die das Empfinden vieler Menschen, an einer Schwelle zu stehen, aufgreifen. Diese Spannung auszuhalten in gegenseitiger Anerkennung – das ist die Voraussetzung zum Dialog.

Inwieweit ist das geglückt?
Das war sicherlich unterschiedlich. Charakteristisch war für mich zweierlei: Sehr lebhafte Diskussionen gab es in Arbeitsgruppen, wo klare, unterschiedliche Standpunkte aufeinander trafen, wie etwa zwischen Frank Hörtreiter und Helmut Zander. Zum anderen stellten sich Gespräche von Anthroposophen untereinander als mindestens genauso interessant heraus, etwa zwischen Markus Treichler und Volker Fintelmann. Die eigene Substanz im Gespräch zu vertiefen ist ebenso nötig.

Hätte diese Tagung so auch am Priesterseminar Stuttgart stattfinden können?
Zunächst ist deutlich geworden, dass es solche Gespräche häufiger geben sollte, auch an anderen Orten. Es waren ja bei der Tagung Vertreter der Seminarleitung aus Stuttgart präsent. Auch dort bewegt sich viel. Mit den beiden Seminaren werden verschiedene Akzente gesetzt und dadurch bereichert man sich gegenseitig. Eine spezielle Aufgabenstellung hier in Hamburg ist, Spiritualität und Sozialität miteinander zu verbinden.

Woran wird das sichtbar?
Was die Tagung betrifft, so fand diese u.a. im Audimax der Universität statt. Rein sinnlich war erlebbar, dass dies ein öffentlicher Raum ist, mitten in der Stadt. Zu den Abendveranstaltungen kamen auch tatsächlich viele Leute, die von der Christengemeinschaft sonst gar nichts wussten. Der Austausch mit dem geistig-kulturellen Leben in der Stadt ist uns insgesamt wichtig, auch im Seminar. Da hatten wir etwa auch schon einen Rabbiner zu Gast und einen Vertreter des benachbarten türkischen Konsulates. Zu unserem Studium gehören außerdem laufende Praktika in nicht-anthroposophischen Einrichtungen.
In Ihrer direkten Nachbarschaft sind auch einige anthroposophische Einrichtungen. Wie ist die Zusammenarbeit?
Es gibt vielfältige persönliche Verbindungen und konkrete Hilfe, besonders z.B. durch das Rudolf-Steiner-Haus. Außerdem sind wir derzeit gemeinsam dabei zu überlegen, wie wir in der Stadt besser wahrgenommen werden können. Weil wir hier neu sind, ist gerade uns das ein Anliegen, und darum sind wir dabei das Zugpferd. Eine Zusammenarbeit mit dem Musikseminar, der Kunstschule gibt es durch den Studienfonds sowie durch Kurse, die wir auch für externes Publikum geöffnet haben.

Was war für Sie das Wichtigste?
Wir haben viele Rückmeldungen erhalten, dass auf der Tagung wohltuende „frische Luft“ geweht hat. Ich habe mich immer wieder über viele Begegnungen gefreut. Es war erstaunlich, wie unverkrampft man sich über den Weg lief, – das könnte eigentlich selbstverständlich werden.