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Es ist offenbar: mit jedem Lebenstag nähern wir uns einen Schritt dem eigenen Tod. Meist haben wir unseren Blick aber viel intensiver auf Lebensvorgänge und Lebensimpulse gerichtet. Das erzeugt eine Grundspannung in uns, die bei entsprechender Stärke als existentiell empfunden wird.
Fehlt die Kraft, im eigenen Inneren eine lebendige Mitte zu schaffen, treten Lähmungen bis hin zur vollständigen Selbstaufgabe auf ...
Wie finden wir die Stärkung, die wir brauchen, um nicht zu erstarren? Antworten lassen sich hier nur schwer und unzureichend geben, weil sie in ein weiteres Spannungsfeld führen: Wenn wir uns selbst beschreiben, wer wir sind, gibt es neben allem Biografischen, allem äußeren Erscheinen, einen Bereich persönlichster Erfahrungen: Auf der einen Seite: Ich brauche jetzt ... z.B. etwas zum Essen, meine Ruhe, eine neue Jacke, ein neues Auto, einen Theaterabend. Und auf der anderen Seite: Ich helfe dir, ich mache das für dich, ich lasse dich jetzt nicht im Stich, ich bete für die Menschheit und die Erde.
Betont taucht „Ich“ auf, aber in sehr verschiedenen Arten, Haltungen, Bewegungen. Niemandem fällt es einfach nur leicht, mit dieser Verschiedenartigkeit unseres „Ich“ zu leben, einer Verschiedenartigkeit zwischen Ego und höherem Ich.
Der freie Entschluss zur Nachfolge Christi birgt die Möglichkeit, die Lebenssphäre des Ich-Bin kennen zu lernen und bewusst in dem genannten Spannungsfeld leben zu wollen.
Christian Scheffler | geboren 1973 in Merseburg/Saale, Abitur 1992, Zivildienst, Studium am Priesterseminar der Christengemeinschaft in Stuttgart und an der Universität Tübingen (ev. Theologie), Priesterweihe im März 2000, anschließend Gemeindepfarrer in Leipzig und Erfurt. Seit 2008 in Hamburg als Pfarrer und Seminarleiter, verheiratet, vier Kinder.
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