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Als das Christentum in die Welt kam, sahen die Christen darin die Vollendung aller Religionen: Die bisherigen religiösen Schulen und Strömungen wären nur eine Vorbereitung auf Christi Kommen gewesen und von nun an bedürfe man keiner anderen Religion als der Lehre über Ihn.
Als sechshundert Jahre später der Islam entstand, erhob er einen gleichen Universalitätsanspruch: Alles Bisherige wären nur unvollkommene Versuche über den Islam gewesen, nun aber wäre die vollkommene Religion gekommen, die auch das Christentum überhöhen sollte.
Den Christen war dieser Anspruch des Islam immer ein unerhörter Greuel, doch sie konnten ihn nicht ignorieren. Sie mussten sich dem Islam stellen – und zwar nicht militärisch und politisch, sondern vor allem geistig. An verschiedenen wichtigen Zeitpunkten trat der Islam in die Geschichte des Christentums, warf neue Fragen auf und half indirekt bei der Geburt neuer Impulse.
Sind wir fähig, auch bei der gegenwärtigen Konfrontation mit dem Islam das geistig Anregende aufzugreifen?
Milan Michael Horák | *1968, 1991 promoviert als theoretischer Mathematiker, 1997 Priesterweihe. Pfarrer in Prag, Pardubitz und Olmütz, Dozent für Religionswissenschaft an den beiden deutschen Priesterseminaren, Vorsitzender der Ökumenischen Akademie Prag. Publikationen in mehreren Zeitschriften („Die Christengemeinschaft“, „Okruh a střed“ – die tschechische Zeitschrift der Chistengemeinschaft, „VTM Science“ – populärwissenschaftliche Monatsschrift u.a.) und im tschechischen Rundfunk. Sein Buch „Cesta k Duchu – deset esejů o vývoji náboženství“ („Der Weg zum Geiste – zehn Essays über die Entwicklung der Religion“) wurde auch von evangelischen Theologen positiv rezensiert.
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