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Eine religiöse Tatsache wie – allen voran – die leibliche Auferstehung Christi ist mit unserem gewöhnlichen Denken nicht zu fassen. Sie bedeutet einen Riss durchs System, ist undenkbar. Rudolf Steiner sagt einmal sinngemäß, dass es nicht an der Auferstehung liege, dass wir sie nicht begreifen können, sondern an unserem Verstand. Und dieser ist an eine Leiblichkeit gebunden, die ohne die Auferstehung nur zerfallen kann. Umgekehrt heißt das, dass die Auferstehung selbst Voraussetzung für ihre Denkbarkeit ist. Oder: Könnten wir die Auferstehung verstehen, so hätten wir sie gar nicht nötig.
»Religiöses Denken« soll hier ein Sprungbrett für unser naturgemäß eingeschränktes Verstandesdenken sein. Es steht jenseits der Alternative von Glauben und Wissen und jenseits solcher Kategorien wie Ursache und Wirkung, Plan und Zufall, Gut und Böse, die gewöhnlich unser Denken sortieren. In der Sphäre der Grenzüberschreitung zwischen der Welt der Sinne und der Welt des Geistes tun sich andere Paradigmen auf, solche nämlich wie das Paradox, der Zirkel, das Außermoralische, die Konstellation, die Kontingenz. Diese sollen an Beispielen aus der Sphäre der Schwelle verdeutlicht werden.
Dr. Ruth Ewertowski | geboren 1963 in Frankfurt/Main, studierte Germanistik, Philosophie und Anglistik und promovierte über das Thema des Außermoralischen bei Nietzsche, Simone Weil, Kleist und Kafka. Tätigkeit in Werbeagentur, Lektorat und Redaktion und als freie Autorin. Mitarbeit in der Rudolf Steiner Bibliothek in Stuttgart. Neben zahlreichen Aufsätzen erschienen von ihr die Bücher: Judas, Verräter und Märtyrer; Das Opfer, Zwischen Schicksalsschlag und heiliger Handlung und Revolution im Ich, Einweihung als Wiedergeburt in Anthroposophie und Literatur.
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