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Das Erdbeben von Lissabon erschreckte 1755 die Optimisten der Aufklärung im 18. Jahrhundert: Wie konnte der gute Gott, der alles zum Wohl der Menschen so vollkommen geschaffen hatte, eine solche Katastrophe zulassen? Im 20. Jahrhundert waren es nicht mehr so sehr die Naturkatastrophen, die Zweifel am guten Gott aufkommen ließen, sondern die Untaten der Menschen.
Wie können wir heute vor diesem Hintergrund an Gott glauben? In einer Welt, die nicht nur Auschwitz als Ikone des Bösen, sondern auch Kambodscha, Ruanda, und zahllose andere Greueltaten von Menschen kennt?
Christliche Theologen antworteten mit einer neuen Zuwendung zur Theologie des Kreuzes. Rudolf Steiner weist darauf hin, dass die Menschheit im 20. Jahrhundert Christus anhand des Bösen erleben werde. Lässt sich zwischen dem Abgrund des Bösen und dem Erleben Christi eine Verbindung finden? Kann das Ereignis der Mensch-Werdung, Kreuzigung und Auferstehung nicht nur als Symbol der Hoffnung auf die Überwindung des Bösen, sondern als Prinzip der Schöpfung, Erlösung und neuen Gegenwart des Christus verstanden werden?
Tom Ravetz | 1964 in Leeds geboren. Seit 1991 Pfarrer in der Christengemeinschaft. Studium überkonfessionelle Theologie in Aberdeen. Kurstätigkeit an den drei Seminaren der Christengemeinschaft, Schwerpunkt Christologie und Urchristentum. Zur Zeit nach Stourbridge/UK entsandt. Redakteur der Zeitschrift „Perspectives“. Sein Buch „Free from Dogma – theological Reflections in The Christian Community” ist 2010 unter dem Titel „Vom Dogma befreit. Gesichtspunkte zur Theologie der Christengemeinschaft“ in Deutschland erschienen.
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